Buchrezension: Ulrike v. Chossy/Michael Bauer – „Erziehen ohne Religion“

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Es ist schon beinahe eine gute Tradition, dass ich hier das eine oder andere Buch rezensiere, das meine Aufmerksamkeit erregt. Auch diesmal möchte ich ein sehr interessantes Werk vorstellen, das sich mit einem Thema befasst, welches nicht selten vernachlässigt wird oder gar völlig ignoriert wird:  Argumentationshilfen für Eltern zur religionsfreien Erziehung von Kindern.

Besonderer Dank gilt dabei dem Ernst Reinhardt Verlag München , der ein Exemplar zur Rezension zur Verfügung gestellt hat.

erziehen-ohne-religion-titel„Erziehen ohne Religion“ – Argumente und Anregungen für Eltern

Autoren: Ulrike von Chossy/Michael Bauer

 

Verlag: Ernst Reinhardt Verlag

 

ISBN: 978-3-497-02367-7

 

Preis: 19,90 €

 

Bewertung: 5 von 5 Sternen

 

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„Erziehen ohne Religion“ ist ein Band aus einer Reihe von Ratgebern des Ernst Reinhardt Verlages (www.reinhardt-verlag.de) für Eltern und Erziehern, die Rat und Anregung für die optimale Förderung ihrer Kinder in allen Lebenslagen suchen, sei es mehrsprachige Erziehung, Förderung des linkshändigen Kindes, Tipps zur Schulvorbereitung mit Montessori-Material und zu vielen weiteren Themen.

Rein äußerlich ist der vorliegende Band, in handlichem broschierten Format, sehr ansprechend und übersichtlich gestaltet. Die Kapitel sind klar gegliedert durch die vielen, orange hervorgehobenen Titeln. Große orangefarbige Markierungen am Seitenrand und in gleicher Farbe abgesetzte Kernaussagen helfen dabei, wichtige Punkte schnell wieder aufzufinden. Lesefreundliche Schrift und überschaubare Abschnitte lassen die Themen, Tipps, Beispiele und Checklisten optisch sehr gut erfassen, so dass beim Nachschlagen und Zurückblättern alles schnell wieder parat ist. Stimmungsvolle Fotos von Kindern in entspannten Situationen leiten jedes Kapitel ein.

Zielsetzung

Die Autoren Ulrike von Chossy (Dipl.-Sozialpädagogin und Leiterin der humanistischen Grundschule Fürth) und Michael Bauer (Dipl.-Politologe, M.A., Vorstand des Humanistischen Verbands Deutschland/Landesverband Bayern) richten sich im vorliegenden Band in erster Linie an Eltern. Eltern, die ihre Kinder religionsfrei aufwachsen lassen möchten, stoßen mit ihrem Anliegen oft auf wenig Verständnis, vor allem in Gegenden, in denen nur konfessionsgebundene Kitas zu finden sind und auch in den Grundschulen alle Kinder wie selbstverständlich in den Religionsunterricht eingereiht werden. Hier finden sie Informationen und die Argumente, die sie zunächst selbst in ihrem Anliegen „Erziehen ohne Religion“ bestärken.

Im Geleitwort stellt Erziehungswissenschaftler Rolf Oerter die Zielsetzung des Buches vor: dem wachsenden Anteil religionsfreier Menschen (ca. 40% der Gesamtbevölkerung), der im Gegensatz zu den im Bildungswesen stark privilegierten Gemeinschaften der etablierten Religionen keine öffentliche Unterstützung erfährt, den Rücken zu stärken für den Wunsch, ihre Kinder zu selbst denkenden, sozial handelnden Menschen zu erziehen.

Zum Inhalt

Die ersten fünf Kapitel geben eine theoretische Einleitung in die Thematik, mit einer Begriffsklärung von Atheismus, Agnostizismus und Humanismus und distanzieren den Begriff „religionsfrei“ von den sonst gebräuchlichen negativen Bezeichnungen „konfessionslos“, „gottlos“ etc., die einen Mangel suggerieren sollen. Im folgenden werden Erkenntnisse aus Entwicklungspsychologie und Hirnforschung zum Thema der Entwicklung von moralischen Vorstellungen wiedergegeben, die zeigen, dass diese, anders als gerne behauptet wird, nicht von religiöser Unterweisung abhängig sind. Die Autoren geben Argumentationshilfen gegen Thesen, dass Religion für physische und psychische Gesundheit förderlich sei oder doch „nichts schade“ und plädieren dafür, Kinder in die Lage zu versetzen, selbst zu entscheiden, für „Philosophieren für Alle!“ und für die Vermittlung der Evolutionslehre bzw. der Grunderkenntnisse der modernen Naturwissenschaften bereits ab dem Kindergarten.

Die Vermittlung von Werten und Tugenden (was hat es z.B. mit den sogenannten „christlichen Werten“ auf sich, was wären dementsprechend säkulare Werte), wie helfen Eltern ihren Kindern beim Bewältigen von Krisen („Erklären statt Vernebeln“) und weltliche Feierkultur sind die Themen der folgenden Kapitel.

Die letzten beiden Kapitel ergänzen (mit Checklisten zur Suche nach geeigneten Kindergärten und Schulen) die Theorie mit praktischen Tipps und geben Beispiele, wie bei dem vor allem im ländlichen Bereich oftmals ausschließlich konfessionellen Angebot für die Betreuung der Kinder, Alternativen oder ein auskömmliches Miteinander gefunden werden kann.

Ein zehnseitiger Serviceteil gibt weiterführende Literatur sowie Adressen internationaler Organisationen an, die sich mit Fragen der Konfessionsfreiheit, des Atheismus, Agnostizismus und Humanismus befassen.

Fazit

„Erziehen ohne Religion“ ist der bisher einzige Ratgeber, der sich mit dieser Thematik befasst und wäre darüber hinaus ein ebenso guter Ratgeber für alle, die ganz allgemein ihren Kinder dabei helfen möchten, sich zu selbständig denkenden und verantwortungsvoll handelnden Menschen zu entwickeln. Die informativen Exkurse in die Wissenschaft sind sehr gut verständlich und machen das Lesen spannend. Die Tipps sind hilfreich und praxisnah. Obwohl das Thema Kindererziehung bereits hinter mir liegt, war das Lesen spannend und anregend und ich empfehle es daher gerne meinen eigenen Kindern und allen gleichgesinnten, aber auch religiösen Eltern, die ihren Kindern kein Denkmodell aufoktroyieren, sondern ihnen eine freie Entscheidung lassen möchten.

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Buchrezension: Ulrike v. Chossy/Michael Bauer - "Erziehen ohne Religion", 5.0 out of 5 based on 4 ratings

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