Buchrezension: Stefan Frank – „Kreditinferno – Ewige Schuldenkrise und monetäres Chaos“

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Nachdem ich im letzten Monat ein Buch über Meditation vorstellen konnte, das dazu animieren sollte, auch einmal innezuhalten und sich den Moment Stille in einer hektischen Welt zu nehmen,  möchte ich heute ein neues Buch vorstellen. In seinem Buch „Kreditinferno – Ewige Schuldenkrise und monetäres Chaos“ befasst sich Stefan Frank mit den Themen Geld, Geldmarktpolitik und Krise, das uns beinahe täglich in den Medien begegnet.

Besonderer Dank geht dabei an den Conte Verlag Saarbrücken , der ein Exemplar zur Rezension zur Verfügung gestellt hat.

Kreditinferno – Ewige Schuldenkrise und monetäres Chaos

Autor: Stefan Frank

 

Verlag: Conte Verlag

 

ISBN: 978-3-941657-59-5

 

Preis: 14,90 €

 

Bewertung: 5 von 5 Sternen

 

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Stefan Frank ist freier Journalist und befasst sich vorrangig mit politischen und ökonomischen Themen. „Kreditinferno – ewige Schuldenkrise und monetäres Chaos“ ist sein drittes Buch und erschien 2012 im CONTE Verlag. Thematisch schließt es an sein  voriges und bei einschlägig interessierten Lesern sicher bekanntes Buch  „Die Weltvernichtungsmaschine“ an und kann gewissermaßen als deren Fortsetzung gelten. Auch bei „Kreditinferno“ geht es um die Ursachen von Kreditboom, Wirtschafts- und Bankenkrise. Schwerpunkt ist aber die Beantwortung der Frage, ob der Euro noch zu retten oder bereits am Ende ist.

Hartnäckig wie der diesjährige Winter mit seinen zahllosen Schnee- und Frosteinbrüchen berichten die täglichen Nachrichten stets wieder von einer neuen Finanzkrise eines weiteren europäischen Landes und über die Krise des Euro im Allgemeinen. Die aktuellen Ereignisse in Zypern bestätigen die Ansicht Franks, dass dies noch längst nicht das (unvermeidliche?) Ende ist.

Der Autor schafft es, den von ökonomischen Geheimlehren unbeleckten Leser mit seiner lockeren und humorvollen Einleitung in das Thema zu ziehen und stellt ausführlich und nachvollziehbar auch schwierige Sachverhalte dar. Gerne nimmt man es da in Kauf, den eigenen Kopf etwas mehr anstrengen zu müssen, um sich in die komplizierteren Zusammenhänge einzufinden. Auflockernd sind da seine interessanten Ausführungen zur Entwicklung des Geldwesens und der damit bis heute einher gehenden Krisen. Der Leser erhält viel Hintergrundwissen als Voraussetzung zum Verständnis der historischen und aktuellen Zusammenhänge und Vorgänge, z.B. schreibt er über die zwischen 14. bis 19. Jahrhundert aufgestellten Theorien zum Thema Geld (unter anderem von Kopernikus). Er berichtet über frühere Währungsunionen und die Schuldenkrisen der 1990iger Jahre.  Er erklärt, was es mit dem Teilreservesystem der Banken auf sich hat, welches die Krisenzyklen von Inflation und Deflation überhaupt erst möglich mache. Weitere Themen sind u. a. „Zins und Konjunkturzyklus“ (welche gemeinsamen Phänomene sind Ursache des ständigen Wechsels von Boom und Krise), warum scheitern so oft „Währungsunionen und Währungsanker“, „Auslandsschulden“ (was unterscheidet sie von inländischer Kreditexpansion, in welchen Fällen erzeugen sie Krisen?), der Staat und seine Banken (wie Banken die Staatsschuld finanzieren und dabei vom Staat unterstützt werden). Weiterhin werden Ähnlichkeiten zu Asien und Lateinamerika betrachtet und der Frage nachgegangen, inwiefern „mangelnde Wettbewerbsfähigkeit“ als Ursache für die Probleme Südeuropas anzusehen ist und ob eine Währungsabwertung eine Lösung des Problems sein könnte. Schließlich ein Blick auf 200 Jahre Keynesianismus, dessen Ursprung und Vorläufer.

Stefan Frank bezweifelt die Objektivität der Geldpolitikexperten, da die meisten von ihnen Angestellte der Notenbank seien. Er kritisiert, dass auf jedes ökonomische Problem mit Krediterweiterung geantwortet würde. Schon 2009 schrieb er, der Staat mache nach, was die Banken vormachten: sie übernähmen Risiken, die ihre Finanzkraft weit überstiegen. Seiner Meinung nach würden die Schuldenexzesse ausbleiben, wenn die Höhe der Zinsen von Angebot und Nachfrage abhingen und nicht vom Gutdünken des Staates. Es sei ein Fehler, dass die Banken aufgrund von Staatsgarantien und Staatshilfen selbst bei exzessiver Kreditvergabe keine Verluste zu fürchten brauchten.

Kurz zusammengefasst ist seiner Ansicht nach die Ursache der Krise ideologischer Natur und Schuld an der immer wiederkehrenden Misere sei das Syndikat von Staat und Banken („Die Banken finanzieren die Staatsverschuldung, dafür garantiert der Staat ihre Existenz und ihre Profite.“) und außerdem das Teilreservesystem, worin dem im Umlauf befindlichen Geld kein entsprechender Wert zugrunde liegt. Darüber hinaus werde dem Staat aus Bequemlichkeit (nach dem Motto: was unsere Politiker und Experten sagen, wird schon stimmen) zu wenig auf die Finger geschaut, man lässt sich daher immer wieder die gleichen fadenscheinigen und vor allem falschen Erklärungen und Lösungsstrategien auf die Nase binden und akzeptiert die Märchen von der Schuld der üblichen Sündenböcke (Ausland, Spekulanten, die Reichen). Die Forderung nach nicht vom Staat manipuliertem Geld und der Beschränkung der Macht und Willkür des Staates sei historisch so notwendig wie die Magna Carta, die Habeas-Corpus-Akte, der Bill of Rights und die Erklärung der Menschenrechte.

Die Lektüre von „Kreditinferno“ ist vielleicht nicht geeignet, den Leser in optimistische Stimmung angesichts der Lage und der zu erwartenden düsteren Zukunft zu versetzen(Zitat Stefan Frank: „Wenn eine politische Union genauso funktioniert wie der EURO, dann gute Nacht, Europa.“), aber hatte man vorher bereits das dumpfe Gefühl, von seiner Regierung, den Finanzexperten und Banken gehörig verschaukelt zu werden, so weicht diese Dumpfheit der Klarheit, dass dem wohl genauso ist.

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